Peinlich

Um’s mal vorsichtig zu formulieren: Den postpubertären Machtkampf von ver.di und Co. finde ich ebenso peinlich wie der Streit unserer Volksverrätervertreter um Tempelhof. Das Gefühl drängt sich auf, dass es sich allein um Machtspielchen handelt bei denen das eigentliche Thema in den Hintergrund rückt und dazu Eitelkeit die wichtigste Triebfeder ist.  Peinlich. Und nervend. Aber was will man erwarten…

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Back to the 30ies

Arbeitsminister Scholz faselt von Vollbeschäftigung. Das wichtige, so Scholz im Tagesspiegel, sei doch wohl, dass man nach einem Jahr wieder Arbeit habe:

Scholz schränkte aber ein, dass der Begriff Vollbeschäftigung neu definiert werden und sich an den Vermittlungschancen orientieren müsse. „Schlimmer als arbeitslos zu sein ist es, arbeitslos zu bleiben. Für mich bedeutet Vollbeschäftigung, wenn jeder nach spätestens einem Jahr einen neuen Job findet“, sagte Scholz.

So kann man’s auch sehen. Dass immer mehr Menschen von ihrer Arbeit nicht leben können interessiert eh keinen. Hauptsache, man hat das Volk beschäftigt.

Wenn man meint, dreister geht’s nicht, dann hat man die Rechnung ohne die Schnüffelnasen gemacht. Dass einige aus der SPD wieder den Entrüsteten geben ist kaum ernst zu nehmen, ist doch ihre Chefin mit dem Oberschnüffler einig. Hauptsache, man hat das Volk unter Kontrolle.

Kommt mir irgendwie bekannt vor…

Sichtweisen

Alle Kritik an überhöhten Managerbezügen hat nichts genutzt: Die Verdienste deutscher Führungskräfte sind im vergangenen Jahr erneut kräftig gestiegen – um deutlich mehr als zehn Prozent

berichtet Spiegel online.

So schürt man Neid und schlechte Stimmung – könnte man sagen.

Dies zeigt, dass es höchste Zeit für einen Aufstand Generalstreik wäre – müsste man sagen.

Wie immer alles eine Frage der Sichtweise.

Berechnender Sozialstaat

Die im Lande lebenden Wirtschaftsbosse und das Politpack lassen dem Präkariat nur aus einem Grund eine gewisse Grundsicherung zukommen, nämlich damit das Volk nicht die Paläste stürmt. Und da nun die Politmischpoke sieht, dass der Urnenpöbel zu müde und zu faul zum Stürmen ist, werden soziale Sicherung – und bei der Gelegenheit auch die Grundrechte – immer ein Stück weiter abgebaut. Sobald der Mob muckt rudert man wieder ein bisschen zurück, um den Schritt bei der nächsten Kürzungswelle wieder mit einzubeziehen.

Im Grunde müsste das ALG II doch PSA heißen: Präkariat stillhaltende Almosen.

Kinder retten doch immer die Quote

In Lichtenberg wurde gestern ein sechsjähriges Mädchen vergewaltigt. Eine grausame Sache, keine Frage. Die Abendschau berichtete gestern Abend kurz und suchte nach Zeugen. Auch sinnvoll, auch keine Frage. Wie nun allerdings sämtliche Sender – egal ob privat oder zwangsfinanziert – diese Sache ausschlachten geht auf keine Kuhhaut mehr. Natürlich wird keine Möglichkeit ausgelassen die mangelnde Sicherheit allgemein und die der Kinder im Speziellen zu beklagen. Kommt auf den Teppich zurück: Die Zahlen der Sexualdelikte sind seit Jahren rückläufig, aber das Thema verkauft sich doch so schön. Und dabei geht es nicht im Geringsten um Aufklärung der Kinder oder das Schaffen von gesellschaftlichen Umständen, die von vornherein solche Situationen minimieren – und dabei meine ich keine selbsternannten Dorfsherifs! Hier geht’s nur um Auflage, um moralische Entrüstung, und die „Schwanz-Ab-Rufer“ kommen wieder auf ihre Kosten. Eigentlich fehlt nur noch, dass der Vergewaltiger ein Ausländer ist, und schon höre ich diverse Köche losbrüllen…

Ins eigene Knie geschossen

Bis auf wenige Ausnahmen haben Arbeitssuchende ab einem gewissen Alter keine Chance mehr, adäquat unterzukommen. Ebenso sieht es mit den Leuten aus, die keine Ausbildung oder „Qualifikation“ haben – und zwar völlig unabhängig davon, wie gut sie ihren Job ausüben könn(t)en.

Mal abgesehen davon, dass diese Menschen trotz ihrer Fähigkeiten immer wieder in ihrem Gefühl, nix (mehr) wert zu sein, bestätigt werden – die Wirtschaft schießt sich damit souverän ins eigene Knie. Die Lebens- und Berufserfahrung älterer Menschen kann für jeden Arbeitgeber von unermesslichem Wert sein – wobei ich nun wahrlich kein Freund von der Zwangsarbeit bis Ultimo bin. Aber wieviel „Humankapital“ dort im wahrsten Sinne auf der Straße liegenbleibt ist eigentlich unfassbar. Aber in dieser Gesellschaft ist so vieles unfassbar, von daher…

Tja, so was passiert halt wenn Geldgeilheit und Borniertheit zusammenkommen…

Protestkultur

Der Deutsche jammert. Und zwar möglichst da, wo es nicht weh tut, wo er sein Gejammer mit Gleichgesinnten teilen kann, und vor allem dort, wo es möglichst niemand von denen hören könnte, gegen die das Gejammer gerichtet ist:

  • Hartz IV ist sooo ungerecht – gerade mal ein paar Hanseln demonstrieren bei dem xten Versuch der Montagsdemos
  • Privatsphäre muss geschützt werden – Verschlüsseltes Mailen wird von den wenigsten genutzt
  • Die Löhne sollen steigen – trotzdem erfreuen sich Ramschläden wie auch Geizgeile Medienketten großer Beliebtheit

In der Hauptstadt des Nachbarstaates gehen Jugendliche auf die Straße und liefern sich Schlachten mit den Bullen. Dass sie dabei auch das abfackeln, was nun gar nix mit ihrer Situation (keine Ausbildung, kein Geld, keine Akzeptanz) zu tun hat, mag dem jugendlichen Eifer geschuldet sein. Was passiert hier? In der Hauptstadt werden mit Vorliebe Bus- und Bahnfahrer angegriffen und verletzt. Aber organisierte Proteste? Fehlanzeige!

In Deutschland gibt es keine Protestkultur – mal die eine, staatsstreichende Aktion vor 18 Jahren ausgenommen. Irgendwie aber muss sich die Unzufriedenheit Bahn brechen. Den Oberen ist es wurscht – sie kommen mit dem Mob kaum in Berührung, Leidtragende sind diejenigen, die es wagen, Kritik an den Kids zu äußern oder die es nicht schaffen, den Arbeitslosen neue, adäquate (!) Jobs zu geben.

Zu sicher allerdings sollte sich das Politpack nicht sein. Gerade wenn eine Protestkultur fehlt steht zu befürchten, dass sich die Unzufriedenheit eines Tages gewaltsam Bahn bricht. Und dann könnte es hier auch hierzulande passieren, dass nicht mehr ausgewählt wird, wen oder was man angreift, dann könnten auch Unschuldige leiden.

So gesehen war der Bahnstreik gar nicht so schlecht – auch wenn die Forderungen hart an der gefühlten Schmerzgrenze lagen. Zumal die Sympathie der meisten Menschen bei den Streikenden lag.

Was wird wohl in diesem Land eher möglich sein – Generalstreik, oder doch unkanalisierter gewalttätiger Protest? Wünschen wir uns allen, dass es ersteres ist…